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RLP

1. und 2. Mai 1933

Aus: Deutscher Metallarbeiter-Verband (DMV): Einigkeit ist das Gebot der Stunde, 1931
Von der SA besetztes Volkshaus in Worms, Mai 1933 (StA Worms)
Häftlinge des KZ Osthofen, Anfang Mai 1933 (NS-Dokuzentrum RLP)

Nach der Machtübertragung an Hitler am 30. Januar 1933 versuchte die Führung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) unter Theodor Leipart die Organisation durch einen Kurs des Stillhaltens retten zu können. Sie ging dabei sogar soweit, am 21. März zu erklären: „Die sozialen Aufgaben der Gewerkschaften müssen erfüllt werden, gleichviel welcher Art das Staatsregime ist. Durch die Anerkennung und Inanspruchnahme des staatlichen Schlichtungswesens haben die Gewerkschaften gezeigt, dass sie das Recht des Staates anerkennen, in die Auseinandersetzungen zwischen organisierter Arbeiterschaft und Unternehmertum einzugreifen, wenn das Allgemeininteresse es erforderlich macht.“

Durch ein Reichsgesetz wird der 1. Mai zum „Feiertag der nationalen Arbeit" erklärt. Der Bundesvorstand des ADGB rief dazu auf, sich an den nationalsozialistischen Maifeiern zu beteiligen. Am 2. Mai besetzen SA und SS schlagartig in ganz Deutschland alle Häuser des ADGB, der Einzelgewerkschaften, die Redaktionsbüros der Gewerkschaftspresse sowie die Büros der Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. In Mainz besetzen am Morgen dieses Tages SA-Männer unter Leitung von Kurt Mühlenpfordt das Haus des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes in der Gerichtsstraße 7. Zahllose Gewerkschafter werden an diesem und den darauf folgenden Tagen verhaftet und in das KZ Osthofen gebracht.

Die NS-Diktatur sollte zwölf Jahre andauern und Millionen von Opfern fordern. Die Frage, ob die Ausrufung eines Generalstreiks angesichts der tatsächlichen machtpolitischen Verhältnisse eine Erfolg versprechende Alternative gewesen wäre, lässt sich auch 80 Jahre danach nicht eindeutig beantworten. Der von mutigen Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern gegen den Nationalsozialismus geleistete Widerstand war aber auch in unserer Region größer und bedeutender als vielfach behauptet.

Dokument: Plan zur Zerschlagung des ADGB vom 21.04.1933 (.pdf)

 

 

 

Die wichtigsten Daten zum Widerstand und zur Verfolgung von Gewerkschaftern in unserer Region und zur Lage der Arbeiter im Nationalsozialismus