• DE
  • EN
RLP

"Roter Stoßtrupp"

Auch der im Herbst 1932 ins Leben gerufene „Rote Stoßtrupp“ unterhielt konspirative Verbindungen u.a. nach Frankfurt und in die Pfalz, dort mit Gruppen bzw. Vertrauensleuten in Ludwigshafen, Kaiserslautern, Pirmasens und Zweibrücken. Die Gruppierung rekrutierte sich vornehmlich aus jungen Arbeitern und Studenten, die dem sozialdemokratischen Organisationsgefüge entstammten. Während die Zusammenarbeit mit linientreuen Kommunisten strikt zurückgewiesen wurde, bestand mit der illegalen Reichsleitung der SAP eine Kooperationsvereinbarung. Ebenso wurden mit der KPD-Opposition und den Trotzkisten konspirative Gesprächskontakte unterhalten. Hauptsächlich in Berlin gelang es außerdem, Verbindungen zu bürgerlichen und kirchlichen Oppositionskreisen sowie zu jüdischen Jugendgruppen herzustellen. Vom Prager SPD-Exilvorstand erhielt die Organisation, die seit dem Frühjahr 1933 das Publikationsorgan „Der Rote Stoßtrupp“ herausbrachte, finanzielle Zuwendungen für die Widerstandsarbeit, obgleich sich die gegenseitigen politischen Vorbehalte nicht gänzlich überwinden ließen. Ende 1933 wurde die Gruppenstruktur durch reichsweit 240 Festnahmen, in deren Folge es zu ungefähr 180 Verurteilungen kam, weitgehend zerschlagen. Seinerzeit nicht enttarnte Organisationsreste führten die konspirative Arbeit zwar fort, allerdings unter Verzicht auf die Herstellung und Verbreitung von Propagandamaterial. Im Wesentlichen konzentrierten sich diese nun auf die Unterstützung von Familien Inhaftierter, aber auch auf die Beschaffung von Unterkünften und Papieren für politisch bzw. rassistisch Verfolgte; für gefährdete Juden war ein spezieller Warndienst eingerichtet. Bei dem „Neuen Roten Stoßtrupp“ handelte es sich wohl um eine Nachfolgeorganisation, die ebenfalls u.a. in Südwestdeutschland verankert war. Deren Funktionäre und Mitstreiter waren vielfach ehemalige Aktivisten des 1932/33 nur ansatzweise realisierten konspirativen Pioniersystems der SPD. Die Stützpunkte in der Pfalz wurden noch im Sommer 1934 durch Ernst A. Ritter von Basel aus betreut. Aber auch dieser Reorganisationsversuch wurde im Herbst 1935 fast restlos zerrieben.

Literatur: Rudolph Küstermeier: Der Rote Stoßtrupp; Jan Foitzik: Zwischen den Fronten; Axel Ulrich: Politischer Widerstand im Rhein-Main-Gebiet.