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RLP

Sozialistische Arbeiterpartei

„Den SAP-Widerstandsgruppen in unserem Raum war es immerhin möglich, bis zum Jahr 1938 illegal zu arbeiten. Durch Einschleusen eines Spitzels gelang es der Gestapo im Sommer 1938, den ganzen Widerstandskomplex durch die Verhaftung der Gruppenmitglieder zu zerstören“.
Karl Nord: Im Kampf gegen das Unrecht und für die Freiheit. Erlebnisse und Erfahrungen eines politischen Gefangenen unter der NS-Diktatur.

Sozialistische Arbeiterpartei (SAP)

Titelblatt der SAP-Zeitung "Das Banner der revolutionären Einheit" vom Januar 1934

Die 1931 gegründete SAP war mit anfänglich bis zu 25.000 Mitgliedern reichsweit die bedeutendste jener linken Kleinorganisationen. Durch ihre konsequent vertretene Einheitsfront-Politik genoss sie innerhalb des proletarischen Organisationsspektrums erhebliches Ansehen, wobei sie allerdings durch die KPD als „gefährlichste Spielart des Sozialfaschismus“ massiv diffamiert und bekämpft wurde. Bei den Reichstags- und Landtagswahlen 1932 erlebte die Partei ein Fiasko. Im Frühjahr 1933 waren reichsweit etwa 15.000 ihrer Anhänger zur Aufnahme der Untergrundarbeit bereit. Die Gruppen in Mainz, Bad Ems, Koblenz, Trier, Worms, Ludwigshafen, dort mit bis zu 14 Mitstreitern, in Speyer, Pirmasens und Kaiserslautern gehörten zur südwestdeutschen Widerstandsstruktur. Deren Zentrale, die auch für Süddeutschland zuständig war, befand sich in Mannheim. Von dort aus liefen die Verbindungen zur konspirativen Reichsleitung in Berlin sowie zur Auslandsleitung in Prag, ab Sommer 1933 dann in Paris. Seit Sommer 1934 bestand zudem eine regelmäßige Verbindung zum SAP-Stützpunkt in Basel. Aus dem Ausland wurden vor allem die SAP-Publikationsorgane „Das Banner der revolutionären Einheit“ und die „Neue Front. Organ für proletarisch-revolutionäre Sammlung“ bezogen und verteilt. Anfangs wurden darüber hinaus auch lokal produzierte antinazistische Agitationsorgane, ferner entsprechendes Material, das von der Reichsleitung bezogen wurde, sowie Flugschriften und Zeitungen anderer linker Parteien und Gruppierungen in Umlauf gebracht. Aus Sicherheitsgründen wurde jedoch in der Regel von der riskanten Außenagitation schon bald Abstand genommen wie auch keine neuen Mitstreiter mehr in die konspirativen Strukturen eingeklinkt wurden. Zumindest wurde so im Rhein-Main-Gebiet verfahren. Eine der Fluchtlinien für politisch verfolgte Gesinnungsfreunde führte von Frankfurt aus über Trier ins rettende Ausland. Während die Gesamtzahl der SAP-Widerstandsaktivisten im Sommer 1934 bereits auf wohl kaum noch ein Drittel zusammengeschmolzen war, wurde die südwestdeutsche Organisationsstruktur erst zwischen 1935 und 1938 durch eine Serie von Verhaftungsschlägen zerrieben.

Autor: Axel Ulrich

 

Literatur: Jan Foitzik: Zwischen den Fronten; Günter Braun: Widerstand aus den Reihen der Arbeiterbewegung in der Pfalz, in: Meyer, Berkessel: Bd. I; Hermann Weber u.a.: Widerstand gegen den NS in Mannheim; Axel Ulrich: Politischer Widerstand im Rhein-Main-Gebiet.