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RLP

Internationaler Sozialistischer Kampfbund (ISK)

Antinazistischer Klebezettel der ISK

Dem Mitte der 1920er Jahre gegründeten, straff führerschaftlich organisierten, einem ethischen, gleichermaßen antimarxistischen wie antireformistischen Sozialismuskonzept verpflichteten ISK gehörten am Ende der Weimarer Republik nicht mehr als insgesamt 200 Mitglieder an; diese stützten sich auf ein Sympathisantenumfeld von 600 bis maximal 1.000 Personen. Im Frühjahr 1933 waren etwa drei Viertel seiner Mitglieder und Sympathisanten zur Aufnahme der Widerstandsarbeit bereit, ein Drittel davon waren Frauen. Anders als die meisten anderen linken Kleinorganisationen ging der ISK davon aus, dass Widerstand nur dann sinnvoll sei, wenn er auch sichtbar ist. Deshalb trat die Organisation künftig durch zumeist recht spektakuläre Propagandaaktionen hervor. Außerdem wurden u.a. die vom im Herbst 1933 nach Frankreich geflüchteten Führer der Kaderorganisation Willi Eichler herausgegebenen „Neuen Politischen Briefe“, die nach dessen Tarnnamen später „Reinhart-Briefe“ genannt wurden, in Deutschland illegal verbreitet. Diese verzichteten bewusst auf Eigenpropaganda, sondern wollten durch völlig unpolemische und sachliche Berichte sowie durch praktische Hinweise zur Untergrundarbeit dazu beitragen, den organisatorischen Zerfall der deutschen Arbeiterbewegung zu überwinden. Unterstützt wurde der ISK-Widerstand hauptsächlich durch die Internationale Transportarbeiter-Föderation. 1935/36 gliederte sich die reichsweite Widerstandsstruktur des ISK in sechs Bezirkseinheiten, darunter der Bezirk Frankfurt/Rhein-Main-Gebiet mit Stützpunkten in Frankfurt, Offenbach, Mainz und Worms. Der regionale Strukturleiter war Ludwig Gehm, der u.a. auch Kontakte zum SAP-Widerstand unterhielt. Seine konspirative Arbeit tarnte er lange Zeit als Ausfahrer der „Dreiturm“-Seifenfabrik der jüdischen Familie Wolf in Steinau bei Schlüchtern. Er selbst unternahm viele Kurierfahrten, so zur Auslandszentrale in Paris, und leistete auch verschiedentlich Fluchthilfe für NS-Verfolgte. Finanziert wurde die konspirative Arbeit durch eine vegetarische Gaststätte in Frankfurt, die ebenso als Anlaufstelle für Geheimkuriere bzw. als Depot für antinazistische Materialien diente. Geschäftsführerin war Anna Beyer, die dort zugleich einen Mittagstisch für jüdische Bürgerinnen und Bürger unterhielt. Die Gruppen im Rhein-Main-Gebiet, die auch eigenes antinazistisches Propagandamaterial herstellten, wurden Ende 1936 zerschlagen. Bis 1938 kam auch die Widerstandsarbeit reichsweit durch die Verhaftungsschläge der Gestapo zum Erliegen.

Autor: Axel Ulrich

 

Literatur: Jan Foitzik: Zwischen den Fronten; Link: Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bundes (IJB) und des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK); Axel Ulrich: Politischer Widerstand im Rhein-Gebiet.