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RLP

SPD

"Von jetzt an geht es nur noch aufwärts:
entweder an die Macht oder an den Galgen!"
Carlo Mierendorff, Herbst 1943

Sozialdemokratischer Widerstand

Titelblatt des im Exil in Karlsbad herausgegebenen "Neuen Vorwärts" vom 26. November 1933.

Im Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien hatte sich die SPD im März 1933 geweigert, dem „Ermächtigungsgesetz“ Hitlers zuzustimmen. Daraufhin wurde ihr am 22. Juni jegliche politische Tätigkeit verboten. Viele ihrer Funktionäre wurden verhaftet und in Konzentrationslager überführt. Ein Teil des SPD-Vorstandes wich in die Tschechoslowakei aus, hielt aber Kontakt zu den Parteianhängern in der Heimat und versuchte, sie mit einer Flut von antinazistischen Flugschriften und Propagandabroschüren politisch weiter zu beeinflussen. Spezielle Grenzsekretariate dienten den Geheimkurieren als Anlaufstellen und sorgten für den Nachrichten- und Materialaustausch zwischen den Widerstandsgruppen im Inland und dem Exilvorstand. Die beiden von Emil Kirschmann und Georg Reinbold geleiteten Grenzsekretariate Südwest betreuten die Widerstandsgruppen, die 1933/1934 auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz entstanden. Stützpunkte gab es beispielsweise in Mainz, Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim, in Worms, Oppau, Ludwigshafen, Speyer, Neustadt, Kaiserslautern, Landau, Pirmasens, Zweibrücken, Annweiler und Albersweiler. Über Trier, Idar-Oberstein und Kaiserslautern führten Fluchtwege für politisch Verfolgte ins Ausland. Von Zeit zu Zeit trafen sich Abgesandte der verschiedenen Gruppen, um ihre Untergrundarbeit zu koordinieren, so z. B. in Mainz, Neunkirchen/Saar und in Saargemünd. Nach ersten Festnahmen in Ludwigshafen im Sommer 1934 wurde bis 1936 das gesamte Verteilersystem für die „Sozialistische Aktion“ und anderes Propagandamaterial in diesem Gebiet zerschlagen.

Autor: Axel Ulrich

Literatur: Braun: Georg Reinbold. Grenzsekretär der Sozialdemokraten für Baden und die Pfalz, in: Bosch, Niess (Hrsg.): Der Widerstand im deutschen Südwesten 1933–1945. Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1984, S. 163–171; Redmer: Wer draußen steht … Emil Kirschmann; Walter: Der Widerstand der Mannheimer Sozialdemokraten …; Braun: Widerstand und Verfolgung in Mannheim 1933–1945. Mannheimer Sozialdemokraten gegen die Nazi-Diktatur; Ulrich: Freiheit!; Ulrich, Axel: Politischer Widerstand gegen das "Dritte Reich" im Rhein-Main-Gebiet, Wiesbaden 2005; Ulrich, Axel: Zum politischen Widerstand gegen das "Dritte Reich" in Mainz, Mainzer Zeitschrift, 2008; Ulrich, Axel  Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Wissenschaftliche Darstellung und Materialien für den Unterricht. Hg. v. Dieter Schiffmann, Hans Berkessel und Angelika Arenz-Morch für die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz 2011