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RLP

Baumann, Paul

geb. am 26. Mai 1905 in Eglingen-Osterhofen (Baden-Württemberg)

Häftling im KZ Osthofen vom 6. bis 19. Juli 1933

 

Paul Baumann kam 1925 als Gärtner und Hausmeister in die Dienste des katholischen Priesterheims in Drais bei Mainz. Sein Onkel Leonhard Möndel war dortiger Hausverwalter, er hatte ihn für diese Stellung empfohlen. Schnell integrierte er sich in seinem neuen Wohnort und wurde Mitglied und schließlich Präfekt des dortigen katholischen Jungmännervereins. Der aktive Sportler spielte im katholischen Sportverband (DJK) in Drais Handball und wurde deren Schriftführer. Politisch engagierte er sich vor 1933 für das Zentrum. Kurz vor den Wahlen zum  Reichstag am 5. März 1933 versuchten zur NSDAP übergeschwenkte frühere Zentrumsmitglieder ihn ebenfalls zum Beitritt in die HJ und SA zu gewinnen. Baumann wusste die katholische Jugend des Ortes hinter sich. Er weigerte sich standhaft und blieb seiner christlichen Einstellung treu. Weil er sich beim 50. Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Drais im Frühjahr 1933 nicht von seinem Platz erhoben hatte, als das Deutschland-Lied und das Horst-Wessel-Lied gesungen wurden, wurde er schwer misshandelt und binnen einer Woche zusammen mit sechs weiteren Draiser Männern und einer Frau auf die Bürgermeisterei vorgeladen. Die sieben Männer wurden auf Antrag der NSDAP Ortsgruppe Finthen wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ für 14 Tage in das Konzentrationslager Osthofen eingewiesen. Die Frau wurde dem Polizeigefängis Mainz überstellt. Er selbst wurde im KZ Osthofen zwar nicht misshandelt, er musste aber gefährliche Arbeiten erledigen. So wurde er dazu abkommandiert, in der „Alten Mühle“ in der Schwerdstraße die gut erhaltenen Holzdielen, die für den Bau von Pritschen, Tischen und Bänken für das neu errichtete Konzentrationslager bestimmt waren, herauszureißen. Sobald die Dielen entfernt waren, stand er nur noch auf den Balken. Bei diesen Arbeiten wurde er von einem bewaffneten SS-Mann, der zur Einschüchterung unablässig mit der Pistole knackte, bewacht. Am 19. Juli wurde Paul Baumann zusammen mit den anderen „Draisern“ aus Osthofen entlassen. Bis 1955 blieb er Hausverwalter im Priesterheim.

Quellen: LA Speyer H 53, Nr. 303 Videoaufnahme 1990, Bericht von Paul Baumann vom 07.01.1988. Hellriegel, Ludwig: Widerstehen und Verfolgung in den Pfarreien des Bistums Mainz 1933 – 1945. Dokumentation Band I.1 Rheinhessen. Hg. : Öffentlichkeitsarbeit des Bischhöflichen Ordinariates Mainz 1989, S. 113ff.