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RLP

Beckenbach, Johann (Jean)

geb. am 4. Oktober 1897 in Framersheim
gest. am 28. März 1992 in Mainz

Häftling im KZ Osthofen 10. März bis 1. Mai 1933

Johann Beckenbach wurde in Framersheim, Kreis Alzey, als Sohn eines selbständigen Wagnermeisters geboren. Nach Abschluss der achtjährigen Volksschule ging er bei seinem Vater in die Lehre und legte kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs seine Gesellenprüfung ab. Gerade 18-jährig, wird er 1916 zur Wehrmacht eingezogen und insgesamt dreimal verwundet. Der ältere Bruder war in Frankreich an der Front gefallen. Die Kriegserlebnisse bewogen Johann Beckenbach, sich politisch zu engagieren: Er trat der SPD bei. Um das Jahr 1921 wurde er erstmals in den Gemeinderat gewählt, in den folgenden Jahren begleitete er durchgängig politische Ämter bis hinauf in die Kreis- und Landesebene. Beruflich wurde er selbständig, er führte, nunmehr als Meister, den väterlichen Betrieb weiter. Johann Beckenbach nahm die Gefahren des aufkommenden Nationalsozialismus sehr ernst und trat dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei. Von nun an engagierte er sich unermüdlich im antinazistischen Abwehrkampf. Da er die Politik der SPD auf Reichsebene ablehnte, legte er alle Parteiämter der SPD nieder und wechselte im November 1931 zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Doch alle Versuche die Demokratie zu retten blieben ohne Erfolg. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt. Johann Beckenbach, den Nazis in Framersheim und Umgebung seit langem bekannt und verhasst, gehörte zu den ersten politisch Verfolgten. Am 8. März 1933 in Framersheim festgenommen, wurde er am 10. März in das neugeschaffene Konzentrationslager Osthofen eingeliefert und erst am 1. Mai 1933 wieder entlassen. Seinen Beruf als Wagner-Meister durfte er nicht mehr ausüben. Beckenbach versuchte daher, durch den Aufbau einer Weinhandlung seine Familie zu ernähren. 1935 heiratete er Irmgard Marianne Greins. 1936 und 1938 wurden die beiden Söhne Klaus und Artur geboren. 1939 wurde Beckenbach zum Wehrdienst eingezogen. Im Juli 1943 folgte die nächste Verhaftung: Er hatte während einer Zugfahrt offen seine Meinung zum Bombenkrieg geäußert und war denunziert worden. Im folgenden Hochverratsprozess wurde er zu fünf Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Strafe verbüßte er im Strafgefangenenlager X Dieburg („Rollwald-Lager“) und in dessen Außenlager auf der Ingelheimer Aue bei Mainz, zum Teil unter katastrophalen Bedingungen. Kurz vor Ende des Krieges im März 1945 gelang ihm die Flucht zu seiner Familie nach Framersheim. Nach ihrem Einmarsch setzten die Amerikaner Johann Beckenbach als ersten Bürgermeister seiner Heimatgemeinde ein. Er betrieb die Wiedergründung der SPD in Framersheim und saß von Beginn an im rheinland-pfälzischen Landtag. 1971 zog er sich aus der aktiven Politik zurück, bemühte sich jedoch weiterhin, durch Reden und Vorträge seine Erfahrungen weiterzugeben. 1983 veröffentlichte er seine Erinnerungen unter dem Titel „Wie es war“. 94-jährig stirbt Johann Beckenbach 1992 in Mainz.

Quellen: Hedwig Brüchert-Schunk: Johann Beckenbach - Politiker, Sozialist, Pazifist, Versuch eines Porträts. In: Mainzer Geschichtsblätter; Faschismus vor der Haustür, S. 189 bis 212. Das "Dritte Reich" - Wie es war 1933-1945. Zusammenbruch, Besatzungszeit: Beginn des Wiederaufbaus nach 1945. Bericht eines Betroffenen. 1983