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RLP

Mierendorff, Carlo

geb. am 24. März 1897 in Großenhain
gest. am 4. Dezember 1943 in Leipzig

Häftling im KZ Osthofen 21. Juni bis November 1933

Der bekannteste Häftling des Konzentrationslagers in Osthofen war Carlo Mierendorff. Als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten wurde der Pressereferent im hessischen Innenministerium und seit 1930 jüngstes Mitglied im Reichstag, am 7. März 1933 erstmalig verhaftet und aus dem hessischen Staatsdienst entlassen. Am 13. Juni 1933 verhafteten Gestapobeamte Mierendorff in Frankfurt und überstellten ihn unter Schmähungen und Misshandlungen dem Polizeigefängnis Darmstadt. Am 21. Juni 1933 erfolgte die Verlegung in das Konzentrationslager Osthofen. Während seiner Haftzeit im Konzentrationslager Osthofen war er ein Kristallisationspunkt für Sozialdemokraten und Gewerkschafter im Lager. Mithäftlinge, die in Funktionsstellen im Lager beschäftigt waren, informierten ihn über alle wichtigen Vorgänge im Lager. Über Hedwig Bardorf, der Verlobten des Organisators des sozialdemokratischen Widerstandes im Raum Worms, Wilhelm Bardorf, hielt er Kontakte zu Parteigenossen außerhalb des Lagers, wie zum Beispiel zu Emil Henk, der den sozialdemokratischen Widerstand im Raum Mannheim/Heidelberg organisierte. Nach mehrjährigen Aufenthalten in den Konzentrationslagern Börgermoor, Papenburg, Lichtenburg und Buchenwald wurde er erst 1938 aus dem Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin unter der Auflage, sich nicht politisch zu betätigen, entlassen. Trotzdem schloss er sich umgehend dem weit verzweigten Netzwerk sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher NS-Gegner, das von Wilhelm Leuschner, dem vormaligen hessischen Innenminister, seit seiner eigenen KZ-Entlassung systematisch im gesamten Reich gebildet wurde, an. Am 4. Dezember 1943 jedoch kam Carlo Mierendorff bei einem alliierten Luftangriff auf Leipzig ums Leben.

Quellen: Albrecht: Der militante Sozialdemokrat. Carlo Mierendorff; Amlung u.a.: Carlo Mierendorff; Schumacher: MdR, S. 322 ff.