• DE
  • EN
RLP

Kaul, Georg Alfred Emil

geb. am 11. August 1873 in Cosel/Schlesien
gest. am 2. Mai 1933 in Offenbach (Selbstmord)

Häftling im KZ Osthofen

Georg Alfred Emil Kaul war der Sohn des höheren Justizbeamten Max Georg Kaul und seiner Frau Luise, geborene Fischer. Nach dem Studium der Theologie, Chemie und Volkswirtschaft in Breslau und Dresden arbeitete er seit 1898 als Journalist. Er zog 1910 nach Offenbach, um für die sozialdemokratische Zeitung „Offenbacher Abendblatt“ zu schreiben. Bis 1932 blieb er in seinem Beruf aktiv. Gleichzeitig war er ein viel gefragter Redner in Volksversammlungen und Gewerkschaftsveranstaltungen. Nach der November-Revolution von 1918 übernahm Georg Kaul den Vorsitz im Arbeiter- und Soldatenrat. Als erste Maßnahme des Rates verkündete Kaul die Einführung des Acht-Stunden-Tages in Offenbach. 1919 wurde er in die Hessische Volkskammer gewählt. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Landtag führte er den Vorsitz der SPD-Fraktion. Daneben war er Stadtverordneter in Offenbach. Täglich warnte er in „seiner“ Zeitung vor dem Aufkommen des Faschismus. Die Machtübernahme der Nazis stürzte ihn in tiefe Verzweiflung. Im Frühjahr 1933 war er kurzzeitig im KZ Osthofen eingesperrt. Als er erlebte, wie ehemals aktive Gewerkschafter mit der NS-Arbeitsfront im gleichen Zug zur Maifeier marschierten, brach für ihn eine Welt zusammen. Er nahm sich am 2. Mai 1933 das Leben. Seine letzten Worte in einem Abschiedsbrief lauteten: „Für so viel Gesinnungslumperei schäme ich mich. Ich werde versuchen zu gehen.“ Für Georg Kaul wurde am 25. Februar 2006 in der Bieberer Straße 269, (Höhe Leonhard-Eißnert-Park) in Offenbach ein Stolperstein verlegt. Paten waren die Gewerkschaft Ver.di und die Historische Kommission der SPD.

Quelle: Interview mit Emil Schaaf; http://www.offenbach.de/ (Stolperstein für Georg Kaul)