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RLP

Freitag, Alfred

geb. am 24. Februar 1880 in Langensalza
gest. am 6. März 1959 in Mainz

Häftling im KZ Osthofen vom 11. bis 20. November 1933

Portraitfoto Alfred Freitag

Der gelernte Holz- und Möbeltischler trat 1897 der SPD und dem ADGB bei. Von 1914-1918 war er im Krieg eingesetzt. Er gehörte seit 1921 dem Mainzer Stadtrat an, zudem gründete er die örtliche Arbeiterwohlfahrt.
Bei der letzten Wahl vor der Machtübernahme wurde er 1933 als Abgeordneter der SPD in den hessischen Landtag gewählt. Ab dem  01.11.1920 war er Parteisekretär der SPD im Bezirk Rheinhessen, zugleich Bezirksvorsitzender des Deutschen Holzarbeiter-Verbandes. Sowohl die SPD-Geschäftsstelle als auch die Zahlstelle des Holzarbeiterverbandes befanden sich im Anwesen Zanggasse 13 in Mainz und waren durch eine Tür miteinander verbunden. Unmittelbar nach der Zerschlagung der Gewerkschaften am 02.05.1933 begann er damit, die regionale Mitgliederkartei der SPD zu beseitigen, während im Büro des Holzarbeiterverbandes nebenan bereits Haussuchungen stattfanden.  Bis zur Besetzung der SPD-Geschäftsstelle am 10.05.1933 war es ihm gelungen, alle brisanten Unterlagen, die zur Verhaftung von Mitgliedern hätten führen können, zur Seite zu schaffen. Trotz Anweisung weigerte sich Freitag mehrfach, die Machtinhaber bei der Rekonstruktion dieser Daten zu unterstützen. Daraufhin wurde er bei einem der Verhöre durch zahlreiche Männer von SA und Stahlhelm bedroht. Der Kriminalpolizist Weiss deeskalierte die Situation und verhinderte schlimmeres. Ab dem 10.05.1933 stand Freitag unter Beobachtung und musste sich 18 Monate lang täglich auf dem Polizeirevier melden, zeitweise mehrmals am Tag. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte in seiner Wohnung sämtliches Barvermögen. Man trug ihm an, trotz seiner Vergangenheit der SA oder dem Stahlhelm beizutreten, was er entschieden ablehnte. Am 10.11.1933 wurde er wegen Verdunkelungsgefahr gemeinsam mit 21 „Sozialdemokraten, Kommunisten, Unpolitischen und Handwerksburschen“ verhaftet und zunächst ins Mainzer Polizeigefängnis gebracht. Von dort wurde die Gruppe am Folgetag per Lastwagen ins Konzentrationslager Osthofen abtransportiert. Diese Fahrt fand unter den Augen der Öffentlichkeit statt. Augenzeugen der Fahrt beklatschten die Gefangennahme der Aktivisten. In Osthofen angekommen, musste er nach eigenen Angaben 14 Tage im verschärften Arrest verbringen, bevor er wieder freikam. Trotz hoher Nachfrage nach Schreinern wurde Alfred Freitag nicht in Lohn und Brot vermittelt. Erst im Oktober 1935 fand er beim Wein- und Lebensmittelgroßhändler Wilhelm Christ wieder eine Anstellung. Parallel dazu übte er eine Schlüsselfunktion im Rahmen regionaler Widerstandsstrukturen aus. Es gelang ihm, auch mit führenden Köpfen wie Jakob Steffan und Ludwig Schwamb in Verbindung zu bleiben und Vernetzungsarbeit zu leisten. In Vorbereitung des Attentats vom 20.07.1944 war Alfred Freitag für den Mainzer Stützpunkt zuständig. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch am 20.07.1944 wurde auch Alfred Freitag zunächst verhaftet, jedoch mangels Beweisen nicht bestraft. Vermutlich retteten die aus isolierten Zellen bestehende Struktur der Widerstandsbewegung und das eiserne Schweigen von Ludwig Schwamb ihm und vielen seiner Genossen aus der Region das Leben. Nach der NS-Zeit engagierte sich Alfred Freitag erneut als Bezirkssekretär der SPD in Rheinhessen sowie bis 1955 als Mitglied des Mainzer Stadtrates. Anlässlich seines 75. Geburtstages wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Mainz ernannt.


Quellen: Axel Ulrich: Zum politischen Widerstand gegen das „Dritte Reich“ in Mainz; Amt für Wiedergutmachung, Saarburg, 13090

Ausführliche Biographie  (erstellt von Fabian Müller) (.pdf)

Materialien (Amt für Wiedergutmachung/Saarburg, 13090)