• DE
  • EN
RLP

Lehmann, Albert

geb. am 22. Januar 1912 in Raunheim
gest. am 1. März 1992 in Raunheim

Häftling im KZ Osthofen ab 24. März 1933; vom 2. bis 31. Mai 1933; vom 1. bis 8. Juni 1933

Portraitfoto Albert Lehmann

Der Damen- und Herrenschneider Albert Lehmann war früh in Kontakt mit gewerkschaftlicher Arbeit gekommen. Als 13jähriger Junge nahm er 1925 erstmals an einer Maikundgebung teil. Nur zwei Jahre später trat er dem Deutschen Bekleidungsarbeiter-Verband bei. 1930 gründete er in Raunheim Jugendgruppen der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und der Kinderfreunde. Er wurde Bildungsreferent für die SAJ und die Gewerkschaftsjugend. 1932 trat Lehmann in die SPD ein. Zu dieser Zeit beteiligte er sich aktiv an Störungen von NS-Versammlungen in Raunheim und Königstätten. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler organisierte Lehmann zusammen mit seiner Frau, die der KPD angehörte, in Raunheim einen Aufmarsch der Einheitsfront, die den Zusammenhalt aller linken Kräfte gegen den Nationalsozialismus zeigen sollte. Am 6. März 1933 wurde er zusammen mit mehreren anderen Raunheimer Nazigegnern in „Schutzhaft“ genommen. Zum 1. Mai 1933 wurde Lehmann aus der Schutzhaft entlassen, jedoch unmittelbar nach den Maifeierlichkeiten wieder verhaftet, weil er den offiziellen Kundgebungen fernblieb, sondern - im Gegenteil - für eine alternative Veranstaltung in Raunheim warb. Zunächst kam er nach Groß-Gerau und schließlich in das frühe Konzentrationslager Osthofen. Dort hatte er Kontakt mit Georg Fröba, der ebenfalls Gewerkschaftsfunktionär im Deutschen Bekleidungs-Arbeiter-Verband war. Nach seiner Entlassung im Juni 1933 schloss sich Lehmann einer Gruppe von etwa 25 Widerstandskämpfern – in der Mehrzahl Kommunisten – an. Die Gruppe verteilten antinazistische Flugschriften und stelle sogar selbst Flugblätter her. 1935 wurde die Gruppe von der Gestapo zerschlagen. Albert Lehmann wurde in das Gestapo-Gefängnis in Darmstadt verbracht, wo er verhört und gefoltert wurde. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn wegen Vorbereitung zum Hochverrat an. Das Oberlandesgericht Darmstadt verurteilte ihn am 21. Juni 1935 wegen Hochverrats zu einem Jahr Gefängnis, das er ohne Anrechnung der U-Haft vollständig in Butzbach und Zweibrücken verbüßen musste. Dennoch nahm Lehmann nach seiner Rückkehr nach Raunheim die illegale Arbeit wieder auf. Lehmann stand die ganze Zeit unter Beobachtung durch die Gestapo und wurde öfter verhaftet und verhört, aber immer wieder freigelassen. Im Dezember 1942 berief die Wehrmacht Lehmann zum Strafbataillon 999 ein. Er desertierte und geriet 1943 auf Sizilien in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Von dort aus verlegten ihn die Alliierten in ein Lager für Antifaschisten in den USA. 1947 kehrte er aus der Kriegsgefangenschaft zurück und beteiligte sich am Wiederaufbau der Gewerkschaften. Er wurde Mitglied der SPD und saß für die Sozialdemokraten in verschiedenen kommunalen Parlamenten.

(Erarbeitet von: Marco Hörnig)

Ausführliche Biographie (.pdf) (Erarbeitet von: Marco Hörnig)

Ausschnitt aus einem Video-Interview mit Albert Lehmann (Quelle: NS-Dokumentationszentrum RLP)